Marokko Reisebericht
22. Juni 2009 - Artikel von: Judith
Wahrscheinlich war die Fahrt nach Marokko eine der ungeplantesten Urlaubstrips, die ich bis jetzt gemacht habe und wahrscheinlich jemals machen werde… ( von Ceuta gefahren)
2001/2002 habe ich 1 Semester in Spanien, Sevilla verbracht. Und da Sevilla nicht weit von der südlichsten Spitze Spaniens entfernt liegt, haben wir (Nadine, Gregor und ich) uns sehr kurzfristig im Februar 2002 entschlossen, einen kurzen Abstecher auf den anderen Kontinent zu unternehmen. Genauer gesagt haben wir uns einen Tag vorher überlegt, dass wir mal „Nordafrika“ für ein verlängertes Wochenende erkunden wollten- in eigener Unkenntnis darüber, was wir eigentlich genau sehen wollten und ob der Februar eine geeignete Reisezeit für solch einen Kurztrip ist. O.k. – wir hatten eine vage Vorstellung, was wir sehen wollten.
Aber meine Nordafrika Kenntnisse beschränkten sich lediglich auf das nahe gelegene Tangier, dem Treffpunkt aller An- und Abreisenden, Marrakesh und natürlich Casablanca (was aber sicherlich mehr mit dem gleichnamigen Film zu tun hatte). Der „Lonely Planet“ konnte diesem Zustand zum Glück Abhilfe leisten, sinnvoller wäre es jedoch gewesen, nicht erst vor Ort in Marokko in den Reiseführer mal hineinzuschauen. Der Lonely Plantet sei an dieser Stelle noch mal lobend erwähnt, da er sicherlich für „Rucksack“ –Touristen ein sehr wichtiger Begleiter ist und mit keinem der üblichen Reiseführer zu vergleichen ist. Die so genannte deutsche Version „Reise Know – How“ ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Welcher Reiseführer nun wirklich besser ist, ist sicherlich von Land zu Land unterschiedlich, zumal da natürlich die Aktualität der Ausgabe eine wichtige Rolle spielt. Übrigens ist, wenn man vor einer Reisen schon einmal einen interessanten Einblick bzw. Überblick über die kulturellen Besonderheiten bzw. Reiseunterschiede eines Landes und dessen Bewohner gewinnen möchte, die Reihe „ Gebrauchsanweisung für XXX“ sehr zu empfehlen.
Zurück zu Marokko bzw. den Start unserer Reise in Spanien. Von Sevilla aus nehmen wir den Autobus nach Ceuta . Die Fahrt, die uns durch Andalusien führt, dauert ca. X Stunden und ist landschaftlich sehr schön. Es gibt 2 Möglichkeiten von Spanien aus mit der Fähre nach Marokko zu fahren. Wir haben uns für XXX entschieden. In XXX angekommen stellen wir fest, dass XXXX die Fährverbindung nach XXX das Dorf prägt. Ein Ort, in dem man eigentlich nicht länger bleiben möchte und nicht mit den sonst so schmucken andalusischen Dörfern zu vergleichen ist. Wir haben noch etwas Zeit bis die Fähre fährt. Als nicht zu übersehene Touristen machen wir am Hafen sehr schnell Bekanntschaft mit einem Deutschen, der bestohlen worden ist, kein Geld, kein Pass etc. mehr besitzt. Das ist zumindest seine Version der Geschichte. Er bittet uns um Geld. Ob wir ihm eigentlich Geld gegeben haben, weiß ich gar nicht mehr…
Die Fähre nach Tangier ist recht groß und überfüllt. Es ist schwierig einen Platz zu finden. Die Überfahrt dauert ca. 3 Stunden. Schnell stellen wir fest, dass wir fast die einzigen Europäer sind. Die Frage, warum gerade an dem Tag so viele Marokkaner bzw. Afrikaner nach Tangier übersetzten wollen, beantwortet sich schnell.
Es ist Ramada. Ein netter Britischer Geschäftsmann hat uns darüber aufgeklärt. Und er erzählt uns noch mehr…. Er fragt, ob wir schon eine Unterkunft in Tangier hätten bzw. einen Mietwagen reserviert haben. Beides können wir leider nur verneinen. Er rät uns schnellst möglichst nach der Ankunft Tangier zu verlassen. Dem Ratschlag wären wir gerne gefolgt. Nur leider hatten wir weder daran gedacht eine Unterkunft für die erste Nacht zu reservieren noch um uns um einen Mietwagen zu kümmern.
Die Ankunft in Tangier ist alles andere als erfreulich. Es ist bereits spät am Abend und dunkel. Wir verlassen die Fähre nicht über eine sonst übliche Treppe sondern über die Autorampe. Zwischen LKWs und Autos stehen wir mit Hunderten anderer Passagieren und warten, dass wir uns über die Rampe, die ja eigentlich groß genug sein sollte, an Land quetschen können. Von Flutlicht geblendet werden wir von „Hunderten“ von Taxifahrern empfangen (zumindest gefühlten Hunderten). Wir folgenden dem Rat des Britischen Geschäftsmann und versuchen vorher den Taxipreis zu vereinbaren. Nur leider sind wir uns nicht so ganz über das Ziel unserer Taxifahrt sicher. Zu dem Zeitpunkt hat bereits jede Autovermietung geschlossen. Wir überlegen uns, zum Flughafen zu fahren. Der Taxifahrer rät uns ab und will uns lieber in die Stadt fahren. Von einem ständig unguten Gefühl begleitet, dass der Taxifahrer uns als dummes Touristenopfer mit Geld betrachtet, versuchen wir uns irgendwie auf einer Sprache zu verständigen, in der er uns nicht versteht. Aber dies scheint nicht zu gelingen (was natürlich auch an der Beschränktheit unserer eigenen Sprachkenntnisse liegt J) Was sonst sicherlich lobenswert ist und jedem Touristen eigentlich nur helfen kann, stellt sich an dieser Stelle eher als hinderlich heraus. Nun gut –irgendwie einigen wir uns doch nach einem Hin und Her für die Variante des Taxifahrers und verbringen eine Nacht in der vom Taxifahrer vorgeschlagenen Unterkunft. An dieser Stelle muss nicht unbedingt weiter auf die Unterkunft eingegangen werden. Sie ist einfach, dreckig, das Bad ist auf dem Flur – aber es scheint halbwegs sicher zu sein. Sicherer zumindest als auf der Straße.
Tangier ist zu diesem Zeitpunkt fast Menschen leer. Wir kommen auf die „geniale“ Idee, uns noch etwas in Tangier umzuschauen und vielleicht noch etwas trinken zu gehen. Die Idee bzw. die Umsetzung davon revidieren wir bereits nach einer viertel Stunde. In der gespenstigen Atmosphäre der Hotelumgebung fühlen wir uns mehr als unwohl. Unsere Kleingruppe mit 2 Frauen und einem Mann erregt bei den Personen, die sich zu dem Zeitpunkt noch auf der Straße befinden, für großes Aufsehen. Uns wird zu diesem Zeitpunkt auch immer klarer, warum uns geraten worden ist, schnellst möglich weiterzufahren – und dass es mehr als sinnvoll war, nicht alleine als Frau nach Marokko zu fahren (worauf ich später noch mal ausführlicher eingehen werde).
Die Mietung eines Mietwagens am nächsten Morgen stellt sich als relativ problemlos heraus. Wir wenden uns nicht an eine lokale von dem Taxifahrer empfohlene Autovermietung – sondern an Sixt, die uns einen zuverlässigen Kleinwagen stellen. Nach dem relativ problemlosen Verlassen von Tangier fahren wir nun südwestlich Richtung Fes, einer XX Millionen große Stadt im Norden von Marokko.
Von den ersten Eindrücken in Tangier – dem Land etwas skeptisch gegenüberstehend – werden wir schnell von einer anderen Seite Marokkos eines besseren belehrt – der Natur.
Wir fahren durch eine unglaublich schöne Landschaft, die mehr an ein grünes Irland erinnert als an eine eher trockene Landschaft von Afrika, die wir erwartet hatten. Seen, eingebettet in einer grün, braun, gelben Landschaft, lassen die Ferne fast surreal erscheinen.
Zudem die unglaubliche Einsamkeit. Natürlich nicht mit den westlich überfüllten Straßen zu vergleichen, fahren wir fast alleine durch diese unglaublich beeindruckende Natur.
Die Einsamkeit ist schnell verschwunden als wir uns dem Stadtrand von Fes nähern.
Fes ist eine Großstadt im Norden Marokkos mit knapp über 1 Million Einwohner. Fes wird oft als geistiges Zentrum Marokkos betrachtet. Folglich hat der „Lonely Planet“ der Stadt einige Seiten gewidmet.
Die letzte halbe Stunde vor Ankunft in Fes bringe ich auf dem Rücksitz unseres Mietwagens zu, mich über die Stadt zu informieren, in der wir planen die nächste Nacht zu verbringen.
Aber warum eigentlich weiter lesen und versuchen eine geeignete Unterkunft für die Nacht zu finden, wenn man von einem freundlichen Einheimischen auf dem Motorrad an der ersten Ampel in Fes angeboten bekommt, uns eine Übernachtungsmöglichkeit zu zeigen….
Die nette Hilfe kam eigentlich wie gerufen, da wir zu diesem Zeitpunkt absolut keinen Überblick hatten, wo wir eigentlich in der Stadt genau waren und wie wir nun zu irgendeinem Hotel in Fes finden sollten. Der Straßenverkehr einer marokkanischen Großstadt erfordert schon eigentlich die alleinige Aufmerksamkeit des Fahrers und der Beifahrer….
Somit folgen wir dem netten Motorradfahrer gerne – bis ich zufällig im Reiseführer weiter lese… Fassungslos sehen wir uns genau der Situation gegenüber, die im Lonely Planet unter
„Dangers & Annoyances“ beschrieben wird. ….“Fahrer sollten in Fes Besonderheit beachten: auf den Zufahrtsstraßen nach Fes bieten ihnen motorisierte Stadtführer Ihnen Hilfe an, Sie zu einem Hotel zu fahren. Diese können sehr anhänglich sein.“ (übersetzt aus dem Lonely Planet: Morocco). Spontan entschließen wir uns erstmal anzuhalten, um zu überlegen, wie es nun weitergehen soll. Etwas irritiert wartet auch der Motorradfahrer auf uns am Straßenrand. Wir entscheiden uns schließlich doch mit dem angeblichen Touristenführer weiterzufahren, da jeglicher Versuch, alleine weiterzufahren, mit größter Wahrscheinlichkeit zwecklos gewesen wäre. Wir fahren unterschiedliche Unterkünfte an. Auch hier lassen sich die Beschreibungen auf wenige Worte reduzieren: reduziert auf das Wesentliche, dreckig und nicht ansatzweise mit westlichen Verhältnissen zu vergleichen.
Zudem sei noch anzumerken, dass die Dusche von dem Klo meistens schwer bzw. gar nicht zu unterscheiden ist, da die Marokkaner das Plumsklo bzw. die Stehvariante dem Sitzen vorziehen. Jedem Touristen mit einem größeren Reisebudget sei zu empfehlen in einem etwas größeren Hotel zu übernachten (was wir dann auch später in Marrakesch getan haben). Denn auch diese Übernachtungen sind nach westlichem Standard nicht wirklich teuer. Die Unterkunft in Fes hat ca. 4 Euro pro Person pro Nacht gekostet… Weitere Ausführungen sind hier sicherlich überflüssig. Da wir ja nun eine neue Bekanntschaft mit einem Ortsansässigen gemacht hatten, konnten wir dieses natürlich auch weiter für eine persönliche Stadtführung nutzen bzw. es wurde uns angeboten. Dieses Angebot sollten wir auf keinen Fall ausschlagen.
Ob nun ein ortskundiger wirklich empfehlenswert ist, ist sicherlich von einem bzw. von dem eigenen Orientierungssinn abhängig. De facto sind die Weg bzw. Gassen in der Medina einer arabischen Stadt schon sehr irreführend und verwinkelt. Auf der anderen Seite ist da der Reiseführer, der mehr ein Interesse daran hat, das Kunsthandwerk und die Gewürze seiner Familie und Freunden zu verkaufen, als die Schönheit der Stadt zu zeigen. Sicherlich wird es da Ausnahmen geben- unserer Führer war leider keine! Und somit sahen wir uns schnell einer Vielzahl von Teppichen, Lederwaren, Vasen, Töpfen, Kunsthandwerk, Wasserpfeifen, Kleidung und Lebensmitteln gegenüber. (Entschädigt hat uns an dieser Stelle der Blick von XXX auf Fes).
Trotz dieser Verkaufstour des Führers hat uns die Stadt sehr beeindruckt. Sicherlich war es gewöhnungsbedürftig, keinen anderen „westlichen“ Touristen zu treffen. Aber sicherlich hat das dazu beigetragen, dass wir diese Stadt sehr interessant und sehenswert finden. Gerade im Hinblick auf die arabische Welt.
Nach einer Übernachtung in Fes führt uns der Weg weiter südlich. Als nächste Station entschließen wir uns für die Kögnisstadt Meknés. Auch Meknes ist mit ihren ca. 500.000 Einwohnern eine Großstadt und Anziehungspunkt für Touristen im nördlichen Marokko.
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